Emotional (Dance) Teaching – Resonanz-Tanzpädagogik (02.07.2021)

Lass es im Tanzsaal knistern
[Lesezeit: ca. 8 min]

Sobald du es mit Menschen zu tun hast, hast du es auch mit Emotionen zu tun. Ganz besonders dann, wenn du Menschen unterrichtest und mit ihnen (viel) Zeit verbringst. Sicherlich fallen dir gleich ein paar Situationen ein, wo du freudestrahlende Augen in Erinnerung hast oder auch Trübsal geblasen wurde. Jedes Mal war es eine emotionale Reaktion vom Tanzschüler auf dich oder deinen Kursinhalt oder beides, oder vielleicht auch aus der Gruppendynamik heraus.

Warum ich darüber einen ganzen Blog-Artikel schreibe: Tanzen braucht mehr denn je emotionales Unterrichten. D.h. auch deine Tanzschüler brauchen deine Empathie mehr denn je. Ein Beispiel ist das Maske tragen. Hier sehen wir nur noch ein Drittel des Gesichtes. Dadurch bekommen wir auf Dauer viel weniger Informationen über unser Gegenüber bzw. die Menschen um uns herum. Das trägt dazu bei, dass wir weniger über die Befindlichkeit der anderen erfahren und nicht mehr einordnen können, wie es dem anderen möglicherweise geht. D.h. unser Empathiezentrum hat kein „Futter“ und kann nicht vollständig arbeiten. Den Menschen fehlt das Gefühl für die anderen, denn diese werden durch fehlende Mimik „unsichtbar“, d.h.  weniger greifbar als Mensch. Dafür braucht es dich, dass du in bewusst wahrnimmst, beobachtest und in Worte fasst, wie es dem anderen geht.
Meine Mission ist es, Tanzlehrende darin zu unterstützen in leichten wie in Krisenzeiten Menschen jeden Alters fürs Tanzen zu begeistern.



Der Schüler (und hier dürfen sich immer alle Geschlechter angesprochen fühlen) setzt sich immer mit dem Lernstoff  im Unterricht bzw. mit dem Bewegungsmaterial im Tanzkurs auseinander. Sogar dann, wenn es augenscheinlich nicht danach aussieht. Und es werden dabei immer Emotionen und Gefühle aktiviert – entweder positive oder negative – zum Beispiel:

*  wie Freude darüber, dass er etwas verstanden oder sich angeeignet hat, oder, dass er vom Lehrenden gelobt wurde
* Ausgelassenheit, weil ein richtiger Tanzflow entstanden ist, in dem Bewegungen, Gefühl und Musik absolut stimmig empfunden werden
* Frustration oder Blockade, weil er etwas nicht verstanden hat oder Erklärungen ihm nicht ausreichten, es zu schnell ging mit den Erklärungen oder diese ihm zu oberflächlich waren
* Erleichterung, weil es endlich mit den Bewegungen nach x Versuchen geklappt hat
* Resignation, weil er das Bewegungsmaterial/Lernstoff als zu kompliziert empfindet um es/ihn jemals zu beherrschen
* Trauer oder Wut darüber, wie der (Tanz-)Lehrende ihn zurecht weist, missachtet, beschimpft oder ermahnt

Die Lerner gehen einerseits  immer in Resonanz mit dem Lern- und Bewegungsmaterial und gleichzeitig mit dem (Tanz-) Lehrenden. Prof. Dr. Hartmut Rosa spricht hier von der diagonalen Resonanzachse und der (Tanz-) Schule als Resonanzraum.

Die Voraussetzung, dass es im Tanzsaal knistert, ist echtes Interesse am Tanzschüler und an dem, was er an Voraussetzungen mitbringt, um ins Tanzen zu kommen. Alleine, dass er oder sie da ist, d.h. gekommen ist um zu lernen, ermöglicht dir im (neuen) Tanzschüler den Funke überspringen zu lassen und den anderen Feuer und Flamme werden zu lassen.

Natürlich gibt es auch ab und an Ausnahmen. Das sind dann Menschen, die “mitgeschleppt“ worden sind oder „geschickt wurden“. Doch auch hier kann man m.E. nach die Aufmerksamkeit derjenigen  bekommen, wenn man echtes Interesse oder Verständnis zeigt.

Bis zum letzten Dezember war ich noch der Meinung, dass es keine schlechten Schüler gibt, sondern nur schlechte Lehrer. Dem kann ich heute nicht mehr zustimmen.

Schüler dürfen so sein, wie sie ankommen. Es ist wichtig, dass du jeden einzelnen siehst und wertschätzt. Entweder du schaffst es sie mit deiner Energie, deiner Anleitung, deinem Know How und deiner Ansprache zu begeistern und mit dem Tanzfieber anzustecken-  oder, in wenigen Fällen eben auch mal nicht. Was dann ab der zweiten Tanzstunde passiert, wenn also der Funke übergesprungen ist, liegt m.E. zum Großteil in der deiner Hand. Mit Dir steht und fällt die Entwicklung des Schülers. Davon bin ich wirklich überzeugt. Vielleicht mag sich das gerade nicht so gut für dich anfühlen, doch am Ende trägst du die volle Verantwortung für gelingende Lernprozesse. Das heißt ja nicht, dass da immer ein John Travolta rauskommen muss.

 

"Gut" oder "Schlecht" sind für mich Kategorien, die aus meiner Sicht eher schädlich als zuträglich für die eigne Tanzpädagogik ist. Deshalb verwende ich sie nicht mehr wertend in  in meiner Sprache für Tanzschüler und Tanzlehrende.
Für dich darf wichtig sein, was an Worten jetzt als nächstes deinem Tanzschüler hilft (und wenn du ausbildest: was als nächstes deinem Kollegen hilft – und was eben nicht). Finde Worte, die ermutigen, die Emotionen aufgreifen und klare Anleitungen wie Anweisungen beinhalten, was deine Tanzlernenden als nächstes tun dürfen.

Mittlerweile gehe ich noch einen Schritt weiter: Ich spreche auch nicht mehr von schlechten Tanzlehrenden, denn niemand macht bewusst seinen Job schlecht. Oder anders gesagt: „Denn sie wisse nicht, was sie tun.“ So wie sie ins Tanzunterrichten gebracht wurden, so haben sie sich entwickelt, so haben sie sich auch geupdatet.

In seltenen Fällen gibt es bestimmt ein "Ich mache nur noch Dienst nach Vorschrift". Aber dann meist doch, weil keine Lust mehr auf die Arbeit vorhanden ist, das Team oder der/die ChefIn nervt und schon innerlich gekündigt wurde.

Wenn von einem schlechten Schüler die Rede ist, dann ist eine subjektive Bewertung des Lehrenden, der nicht zufrieden mit der Leistung des Schülers ist. M.E. sagt das, so wie du auch der Meinung bist, mehr über den Lehrer aus, als über den Schüler. Damit macht der Lehrer den Schüler zu seinem Objekt und schiebt ihm "die Schuld" zu, dass er nichts gelernt hat, obwohl er dafür, der Lehrende, verantwortlich ist. Denn erfahrungsgemäß brauchen Schüler in Schulen, Nachhilfeinstituten, Berufsschulen, Gymnasien und Tanzschulen gar nicht viel um wirklich gut lernen zu können. Vor allem Verständnis und gute Erklärungen.

Auf der anderen Seite dürfen wir als Weiterbildende nicht ebenso den Lehrenden in die Kategorie "schlecht" packen, sonst machen wir ihn auch nur zum Objekt unserer Bewertung. Ich, du, die Kollegen, sind die Summe aus den Prägungen der Ausbildungen, der Erfahrungen mit den Ausbildern, den Tanzschülern, Mentoren ect. plus der eigenen Biographie. Das ist sehr vielschichtig. Wer hier nicht klar angeleitet wurde, wie Tanzunterrichten richtig gut funktioniert, bleibt auf einem bestimmten Level. Dort gibt er oder sie sicherlich ihr bestes, aber erfährt nie (oder erst später), wie der Tanzunterricht noch besser funktioniert. Dafür braucht es u.a. Menschen wie dich.

 

Was ich damit sagen will: es braucht für den Tanzschüler wie für den Tanzlehrenden gute Vorbilder, liebevolles Verständnis und die Stärkung der Stärken Lass es Menscheln und zieh dir HIER dein kostenfreies DANCE TEACHERS UPGARDE

 

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Jasmin

Blog-AutorinHeidemarie A. Exner

Die TanzBotschafterin ist passionierte Tanzlehrerin, Dozentin und zertifizierte I-TP-Tanzpädagogin und arbeitet als solche den ganzen Tag mit großen und kleinen und großen mit kleinen Menschen zusammen, um ihnen die bestmöglichsten Voraussetzungen zu schaffen, um ins Tanzen zu kommen und dadurch zu Leuchten. Mehr über sie erfährst du HIER

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