Finanzierung und Marketing für Tanzschaffende und Künstler (16.10.2019)

8 Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest

Um sich als Tänzer, Tanzschaffender, Tanzlehrer und Tanzpädagoge u.ä. nicht mehr am Rande des Existenzminimums zu bewegen, heißt es, die finanziellen Dinge für sich in die Hand nehmen. Sicherlich ist es eine Sache seinen Preis zu kennen und diesen auch zu kommunizieren, doch du musst das differenzierter angehen.
Ganz dem Motto „Wer für alle da ist, ist für keinen da“, musst auch du deine
(Traum-)Zielgruppe konkretisieren und nach Möglichkeit in Form eines (oder maximal drei) Kundenavatars festmachen: für wen bietest du deine (Dienst)Leistung/ deine Werke an? Wie alt ist dieser Mensch? Was hat er für Hobbies? Was verdient er und womit? Was liest er? Wo kauft er am liebsten ein? Welche (Dienst-)Leistung wird ihm gefallen? Wie schaffst du es, dass genau dieser Kunde deine Person und dein Angebot kaufen möchte? Quasi: auf was steht er und wie überzeugst du ihn…

Das ist dann nochmal ein extra Bereich, den wir hier heute noch nicht näher beleuchten, wenn du einen Tipp brauchst, dann schreib mir gerne. Ich habe mich diesen Themen bereits ein Jahr gewidmet, bevor ich die Tanzschule eröffnete, kluge Entscheidung wie sich herausstellte.

Diese Überlegungen, und am besten auch deren Verschriftlichung, ist ein sehr hilfreicher Schritt um deine Zielgruppe zu konkretisieren, denn wenn du diese vor Augen hast, wird dir dein Marketing und das Adressieren deiner Leistung sehr viel leichter fallen.
Es gibt mittlerweile einen Haufen von guten Online-Kursen zu diesem Thema, meinen ersten habe ich bei Udemy gefunden und gemacht, ich habe mega viel gelernt und umgesetzt.

Um dann auf dem entsprechenden Markt, dem Publikums- und Käufermarkt, erfolgreich zu sein, investierst du in Werbung, Pressearbeit und Weiterbildung. Du machst dich bekannter, oder neudeutsch sichtbarer, und kümmerst dich um dein Publikum bzw. deine Community, damit aus Menschen, die dich kennen, Menschen werden die dich mögen, dir folgen und gerne bei dir kaufen.

In jedem Fall geht es hier m.E. um zwei Herausforderungen, die du als Tanzschaffender und Künstler hier angehen uns meistern musst, um erfolgreicher als die meisten zu sein und um gut davon leben zu können, was du machst: nimm deine Preise, die du verdienst (ein Thema für sich, was z.B. Stefi Schmid in einem Blogartikel bespricht), wisse aber genau, wem du diese verkaufen möchtest und wie du diese Zielgruppe am besten erreichst und ansprichst. Es gibt für so gut wie alles einen Markt, doch du musst deine Kunden finden, in dem du auf dem Mart gehst und deinen Kunden/deinem Publikum hilfst, dich zu finden.
 Und: miss dich nicht mit „den anderen“, denn nur weil bisher so wenig gezahlt wurde, heißt das noch lange einfach gar nichts. Sei mutig und probiere aus, und erhöhe die Preise, wenn du merkst, dass du dies länger nicht gemacht hast und da einfach auch noch mehr drin ist. Mir sagte mal jemand, der sehr hohe Preise nahm, wenn ich nach meiner Preiserhöhung nicht auch Kunden verlieren würde, dann wäre meine Erhöhung nicht hoch genug gewesen…

Als Künstler und Tänzer hast du neben dieser Möglichkeit sogar noch eine weitere, nämlich die Förderung eurer Person und eurer Kunst durch Stipendien, Preise, Sponsorengelder, Crowdfunding und Spenden von Privater wie von öffentlicher Hand. Das ist eine nicht zu unterschätzende zusätzliche Einnahmequelle. Doch diesen Markt sich zu erschließen, wie ich gelernt habe eine Art Geldgeber- und Fördermarkt, muss man sich nach und nach erschließen und vor allem vorher verstehen.. Dabei ist es längst nicht mehr so, dass diese Sponsoren den Kunst- bzw. Tanzschaffenden an eine Art lange Leine legen. Doch sicherlich ist es sinnvoll, nicht alleine von so einer Zuwendung abhängig zu sein.

Damit du eine gute Basis hast, worauf du dein kreatives Business aufstellen kannst, solltest du in jedem Fall eine paar Fallen vermeiden und diese Fehler erst gar nicht machen:

Fehler 1:   Du sparst nicht frühzeitig.

TänzerInnen bringen schon in jungen Jahren viele Opfer auf sich und überspringen manchmal die letzten Jahre ihrer Ausbildung, um ihre Karriere voranzutreiben. Aber allzu oft nutzen sie dies nicht genügend aus. Ein großer Vorteil, den viele Tänzer haben, ist ja, dass sie bereits in jungen Jahren Geld verdienen. Hier lohnt es sich bereits früh an solche Dinge wie private Rentenversicherung u.ä.  zu denken. Doch auch wenn du erst später mit dem Geld verdienen begonnen hast, so denke an deine Zukunft, auch wenn es erst mal mit kleinen Summen ist. So kann z.B. der Zinseszins für dich arbeiten.

Fehler 2:   Du kennst dein Budget nicht.

Zu viele von uns nehmen sich nicht die Zeit, um ihre Ausgaben aufzuschreiben und die Summe mit dem tatsächlichen Einkommen zu vergleichen. Schnell sind Schulden gemacht, wenn du ab und zu über deinen Verhältnissen lebst. Ein bewusster Umgang mit dem eigenen Budget ist der erste Schritt zum Verhältnis zu seinem Einkommen.
Diese einfache Übung solltest du auch dann wiederholen, wenn sich deine finanziellen Verhältnisse ändern um stets den Überblick zu haben. Dies ist, bei aller Liebe zur Kunst und dem Tanzen, einfach ein reifes Verhalten eines Erwachsenen, der sein Leben in jeder Hinsicht in die Hand nimmt. So schützt du dich davor, irgendwann nicht mehr Tanzschaffender sein zu können, weil du auf Grund der Schulden einen anderen Job annehmen musst. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass du damit sehr unglücklich werden würdest und es dir das Herz zerreißt, wenn das eintreten würde.

Fehler 3:   Du weißt nicht, wie deine Zukunft aussehen soll.


Viele Tanzschaffende leben im Moment - aber sie möchten möglicherweise auch ein Haus, ein Garten, eine Eigentumswohnung und Kinder. Wie wäre es einmal aufzuschreiben, wann du z.B. dein erstes Haus kaufen möchten, wann du vielleicht Kinder haben möchten, wann du dich vom Tanz zurückziehen möchtest und eine Transformierung. Nur wenn du weißt, was du willst, kannst du dies auch für dich planen und finanzieren.


Fehler 4:   Nichts für schlechte Zeiten auf der hohen Kante haben.

Mit diesem Ausdruck war ursprünglich ein sehr hohes Möbelstück im Haus gemeint, wohin man kaum kam, nur um sein Erspartes abzulegen.
Die Arbeit im Tanzbereich ist selten ein fester Beruf. Wie wäre es, wenn alle Künstler mindestens drei bis sechs Monate an persönlichen Ausgaben auf einem Notfallkonto hätten und du somit eine schlechte Zeit überbrücken könntest?

Fehler 5:   Du gibst alles aus, was sich auf deinem Girokonto befindet.

Die größte Herausforderung für Freiberufler oder Künstler mit saisonalen Auftritten, Projekten oder Kursen besteht darin, jeden Monat die gleichen Kosten zu zahlen, wenn deine Einnahmen ständig schwanken. Um sich sowohl auf die Hochs als auch auf die Tiefs vorzubereiten, könnte man sich ein Unterkonto einrichten und sich ein konstantes Gehalt vom Konto zahlen, auf das alle Einnahmen gehen. Manche Selbständige raten sogar zu einem 5 oder gar 7-Kontensystem, um sich jeweils sein Budget für verschiedenes wie sparen, Weiterbildung usw. einzuteilen. Ich kenne einige Kollegen, die darauf schwören.

Fehler 6:   Folge dem Beispiel deiner Kollegen.

Selbst wenn z.B. zwei Choreografen das gleiche uneingeschränkte Stipendium erhalten, kann die bestmögliche Verwendung dieses Geldes für jeden Menschen völlig anders aussehen. Möglicherweise muss die Rückzahlung von Krediten die Priorität sein, oder es ist besser, das Geld für die Zukunft zu investieren. Begründe niemals deine Entscheidungen damit, was jemand anderes mit seinem Geld macht, sondern finde dein eigenes Maß, deinen eigenen sinnvollen Finanzplan. Sich hier mit anderen zu messen, was der oder die bereits „erreicht hat“,  zieht dich nur unnötig herunter. Du bist du und nicht jemand anderes, du machst dein Ding, deine Kunst, dein Projekt, dein Business.

Fehler 7:   Handele unter der Annahme, dass Kunst und Geld unvereinbar sind.

Wenn du dich im kreativen Prozess befindest und zu viel Zeit damit verbringst, darüber nachzudenken, wie viel du verdienen könnte, im Vergleich zu dem, was es kosten würde, könnte sich auf deine  Arbeit negativ auswirken. Du kannst in der Kunst wie in der Liebe nicht alles 1:1 aufwiegen was du wie viel an Zeit u.a. hineingesteckt hast, sowas ist für kreatives Arbeiten schon immer hinderlich gewesen. Das heißt aber nicht, dass du niemals über deine Finanzen nachdenken solltest!

Ganz nach der Lebensweisheit: „Alles hat seine Zeit.“ – ist es sinnvoll, in einem kreativen Prozess nicht übers Geld nachzudenken, denn im besten Fall hast du dies gemacht, bevor du dich da hineinbegeben hast.
Während die Probe möglicherweise nicht der richtige Zeitpunkt ist, um deine Ausgaben zu ermitteln, sollten du dich nicht von deiner Identität als Künstler davon abhalten lassen, umsichtig zu planen.

Fehler 8:  Nicht Hilfe suchen.

Vielen Künstlern wurde noch nie etwas über Finanzen beigebracht, und sie glauben, dass es einfach nicht dazu gehört, wer sie sind oder darstellen möchten. Oder sie fürchten, dass sie was Schlechtes finden könnten, wenn sie zu tief graben.

Traditionelle Finanzdienstleistungsunternehmen verstehen Tanzschaffende und Künstler nicht, daher würde ich mich immer an jemanden wie Detlef Bräutigam (siehe Podcast-Folge 57) wenden, wenn ich Unterstützung in diesen Themen brauche, denn er berät schon so viele Jahre Tanzschaffende in den verschiedensten Belangen. Als künstlerisch Tätiger ist es wichtig seine Vertrauenspersonen zu finden, die genau wissen, wie man tickt und was man braucht, ohne sich zu verbiegen oder immer das Gefühl zu haben, dass man gar nicht so ist wie andere „normale“ Menschen.

 

Wie gesagt, auch hier gilt, wie oben schon erwähnt, es gibt für fast jedes Problem eine Lösung und für jede Aufgabe einen spezialisierten Menschen, man muss nur wissen, wo man sie findet. In diesem Sinne wünsche ich dir viel Spaß beim Leben planen, sparen und vor allem beim Geld verdienen!

 

 

Du willst mehr dazu wissen?
Dann findest du am Institute of Financial Wellness for the Arts mehr Anregungen und im Buch von Ina Ross „Wie überlebe ich als Künstler?“ (ich habe es mit großer Begeisterung gelesen) für den deutschsprachigen Raum direkt Anwendbares

Jasmin

AutorinBotschafterin des Tanzens

Über die Blog-Autorin: Heidemarie ist passionierte Tanzlehrerin und zertifizierte I-TP-Tanzpädagogin und arbeitet als solche den ganzen Tag mit großen und kleinen und großen mit kleinen Menschen zusammen, um ihnen die bestmöglichsten Voraussetzungen zu schaffen, um ins Tanzen zu kommen und dadurch zu Leuchten. Mehr über sie erfährst du HIER

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