Gelebtes miteinander, gelebte Inklusion - Tanzen verbindet alle Menschen (28.05.2018)

Jeder kann Tanzen – Wenn Tanzen Grenzen überwindet und es für alle möglich wird

Letzten Freitag durfte ich ganz exklusiv an einem ganz einmaligen Tanztraining in Düsseldorf Rath teilnehmen und 90min einer ganz beeindruckenden Trainingsgruppe beim Tanzen zusehen – denn hier Tanzen bei Udo Dumbeck (1. Vorsitzender) von Tanzen Inklusiv NRW e.V. Fußgänger (also auf zwei Beinen Tanzende) und Rollstuhlfahrer, kurz Rollis, miteinander. Der Verein hat derzeit 120 Vereinsmitglieder in 8 verschiedenen Tanzgruppen in ganz NRW und ermöglicht das Tanzen auch Sehbeeinträchtigten und Blinden, sowie geistig Behinderten und Menschen mit Demenzerkrankung. Es ist ein Verein mit vielen Facetten, der das Motto, Tanzen kann jeder, ganz intensiv lebt – hier tanzen alle gemeinsam, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Zu den jüngsten Tanzenden gehören derzeit Menschen um die 20 bis ins hohe Alter - die älteste Dame ist 104 Jahre in der „mit und ohne Demenz- Sitztanzgruppe“. Auch gab es bis vor 2 Jahren eine Kindergruppe, die der Verein gerne wieder aufbaut, wenn es Interessenten gibt.

Im Rollstuhltanzen ist die Idee, dass ein Fußgänger und ein Rolli zusammen tanzen, in den anderen Gruppen sind immer ein Tanzender mit und einer ohne Einschränkung ein Tanzpaar. Der Verein bietet ein großes Angebot aus dem Breitentanzsport, welches immer individuell an die jeweilige Gruppe angepasst wird, so dass jeder zum Zuge kommt und ein großes Tanzvergnügen erleben kann. Man kann sich im Verein ebenso auf eine Meisterschaft vorbereiten, hier wird dann wie in normalen Tanzsport mit den einzuhaltenden Regularien trainiert.

In den Rollstuhltanzgruppen gibt es, wie in normalen Tanzschulen, Tanzfolgen, welche die Tanzenden lernen und nach und nach erweitern: hierbei ist spezifisch, dass der Rolli statt Schritten eben Schübe und Drehungen koordinieren muss, und das exakt und auf den Punkt zur Musik. „Dahingehend hat sich schon sehr viel in den letzten 25 Jahren entwickelt. Mittlerweile ist das eine gleichberechtigte Sache, die für beide Tanzenden im Paar gleich anspruchsvoll ist“, erklärt mir Udo. Zunächst wird die Choreo für den Rolli kreiert und dann passt man den Fußgänger an – die Sprache ist eine ganz eigene. Ich höre Udo Anweisungen wie „rein greif hoch“, „schwung getanzt“ und „vor nach links, vor nach rechts, links gedreht, rechts gedreht“ sagen. Und so lernen auch beide Parteien separat die „Schritte“ – ganz ähnlich in einer herkömmlichen Tanzschule, wo es Herren- und Damenschritte gibt, die auch separat eingeübt werden.

Doch Udo erklärt als ausgebildeter Tanzlehrer und Tanzsporttrainer nicht nur die Schritte, sondern er vermittelt ein tänzerisches Verständnis, d.h. er erklärt auch, warum so und nicht anders getanzt wird.

Die Gruppe erarbeitet sich Tanzfolgen aus dem Standard- und Lateintanz, nacheinander sehe ich fließende Paartanzfolgen aus dem Wiener Walzer, Cha Cha Cha und der Samba, ziemlich anspruchsvoll und gut aufeinander abgestimmt – und genauso fordernd wie in herkömmlichen Tanzschulen. Und die Tanzenden verhalten sich auch wie in einem ganz normalen Tanzkurs, sie sind eifrig bei der Sache, lachen und freuen sich, wenn eine Kombi funktioniert hat.

Zum Schluss will ich noch wissen, welche technischen Voraussetzungen ein Rolli-Fahrer erfüllen muss um mittanzen zu können: mir wird erklärt, dass die Rollstühle, die ich auf der Straße sehe, meistens Schiebe-Rollstühle und keine Selberfahrerstühle sind. Denn darauf kommt es nämlich an: es muss ein Rollstuhl zum selber fahren sein, wenn man mittanzen möchte – manche stecken sich dann noch ein Stützrad hinten ran oder stellen ihre Räder noch breiter. Am Ende muss jeder Tanzende selbst einschätzen, was er sich zutraut und wie er den Rolli einstellt. Wichtig ist nur, dass man sich gut bewegen kann.

Nächste Woche erscheint im Einfach Tanzen-Podcast dann auch das dazugehörige Interview mit Udo, welches er mir nach dem Training gab. Ich kann Dich schon jetzt neugierig machen, denn es wird nochmal richtig spannend!

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